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  • Die Optimierung des Körpers im 19. Jahrhundert

    21. März bis 6. September

    Wasser auf meiner Haut – beim Baden wirkt die äußere Wohltat zugleich als innere Erfrischung. Und ist die Grenze zwischen Körperhülle und seelischem Befinden einmal überwunden, ergeben sich weitere Möglichkeiten, durch die Verbesserung des äußeren Zustands das Selbstgefühl und die soziale Wirkung des Individuums zu optimieren. Wellnessbäder, Fitnessclubs, Körperkult bis zur plastischen Chirurgie, Zahnspangen für Teenager als medizinischer Standard – viele heutige Körpertechniken nehmen ihren Anfang in der Badekultur des 19. Jahrhunderts. Damals mischten sich künstlerische Ideale und medizinischer Fortschritt, Gesellschaftsutopien und Apparatetechnik zu einem neuen Menschenbild. Der Leib war nun nicht mehr Gott und Natur schicksalhaft ergeben. Als Körper wurde er zum Projekt, zum zukunftsoffenen Entwurf. Forschung und Wissenschaft ermöglichten den immer präziseren Eingriff in die menschlichen Organe und ihre Abläufe. Viele damalige Innovationen und Erfindungen sind bis heute gültig und erfolgreich, weil sie konsequent das Unsichtbare, das körperlich und seelisch Innere, mit dem Sichtbaren, dem Messbaren, Trainierbaren, Operierbaren verknüpften. Die mikroskopische Einsicht in Bazillen und Erreger führte zu allgemeiner Hygiene, klinischer Antisepsis und völlig neuen chirurgischen Möglichkeiten. Ab 1895 konnte mit der Röntgentechnik direkt in das Körperinnere hineingeschaut werden. Die moderne Technik schien eine Art rationalen Gesundheitszauber zu erlauben.

    Eine Badekur konnte Entspannung, Erholung, Heilung, Training, Straffung, Verjüngung, Verschönerung bieten. Immer beinhalteten die Therapien Ziele oder Versprechungen, die unter der Hand zu Leitbildern des Körper selbst und Vorschriften der Lebensführung werden konnten.

    Die Ausstellung findet im Rahmen des Kooperationsprojektes BADEN gemeinsam mit dem Stadtmuseum Baden-Baden und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden statt.